Zehn Jahre Funkstille

Nostalgische Gedanken kommen oft irgednwie so ganz leise daher. Gestern Abend war so ein Moment. Ein simples Treffen zum Essen, eigentlich nichts Großes. Und doch hat es mich mehr beschäftigt, als ich zuerst gedacht hab.

Ich hab mich mit einem alten Studienfreund getroffen, wir haben uns fast zehn Jahre nicht gesehen. Zehn Jahre. Das klingt immer so dramatisch, wenn man es ausspricht. Früher saßen wir gemeinsam in überfüllten Hörsälen, heute erzählen wir uns von Jobs, Wohnungen (er konnte mir einige tolle Tipps geben, die er auch auf seinem Blog „Einfach schön wohnen“ postet) und generell davon, wie schnell die Zeit plötzlich rennt. Am Anfang war es ein bissl holprig, ein paar Sekunden zu lange Pausen, vorsichtiges Abtasten. Aber das hat sich schnell gelegt.

Das Essen kam und irgendwie war das der Wendepunkt. Vor mir lag ein perfekt gebratenes Steak, saftig, mit schönen Grillspuren, oben drauf ein Zweig Rosmarin. Daneben Brokkoli, Karotten und ein cremiges, orangefarbenes Püree, alles liebevoll angerichtet. Genau so ein Teller, bei dem man kurz innehält, bevor man anfängt zu essen.

Mit jedem Bissen wurden auch die Gespräche entspannter. Wir haben gelacht über alte Uni Geschichten, über dumme Entscheidungen, die sich im Nachhinein gar nicht mehr so schlimm anfühlen. Es war vertraut, fast so, als wären keine Jahre dazwischen gewesen. Und gleichzeitig war klar, dass wir beide andere Menschen sind als damals.

Am Heimweg hab ich mir gedacht, wie wertvoll solche Abende eigentlich sind. Man vergisst das im Alltag viel zu leicht, ehrlich gesagt. Vielleicht sollte man alte Kontakte öfter wieder aufleben lassen, auch wenn es Überwindung kostet.

Wird The Madison ein neues Meisterwerk von Taylor Sheridan?

Als wirklich langjähriger und treuer Fan von Yellowstone und allem, was Taylor Sheridan anfasst, bin ich natürlich voreingenommen. Vielleicht sogar ein bissl zu sehr. Aber was hier angedeutet wird, fühlt sich anders an. Intimer. Zerbrechlicher.

Michelle Pfeiffer spielt Stacy Clyburn, eine New Yorker Matriarchin, die nach dem Unfalltod ihres Mannes ihr bisheriges Leben hinter sich lässt und mit der Familie ins Madison River Valley nach Montana zieht. Dieser Bruch zwischen Manhattan und der weiten Landschaft Montanas wirkt im Trailer fast wie eine innere Zerrissenheit. Auch Kurt Russell taucht auf, allerdings nur in Rückblenden. Schon das allein verspricht eine gewisse Tragik.

Bemerkenswert finde ich auch, dass bereits zwei Staffeln abgedreht wurden, noch bevor die erste am 14. März 2026 bei Paramount+ startet. Das ist ein Vertrauensvorschuss, der nicht selbstverständlich ist.

Sheridan nennt es sein intimstes Werk. Vielleicht wird es kein lautes Meisterwerk. Vielleicht eher ein leises. Und gerade deshalb könnte es lange nachhallen, auch wenn man es erst auf den zweiten Blick versteht.

Zach Galifianakis Doppelgänger verdient ein Vernögen in Las Vegas

Nicht wirklich soooo oft stolpert man beim Scrollen durch Facebook über Geschichten, bei denen man laut lachen muss und dann kurz still wird. Genau so ging es mir neulich in der U-Bahn, Kaffee in der Hand, Montagfrüh, eh schon leicht genervt. Wer die Wiener U-Bahn, besonders die U6, benutzen muss, weiss wovon ich spreche.

Ich hab da diese Story über Thaddeus Kalinoski gelesen, ein Typ, der wirklich alles auf einmal abbekommen hat. Scheidung komplett im Chaos, Job als Hotelmanager weg, und plötzlich viel zu viel Zeit zum Grübeln. In der Depression hat er sich gehen lassen, 20 Pfund mehr auf den Rippen, ein Bart wie aus einem schlechten Survivalfilm, Haare egal, alles egal. Kenn ma ja, leider.

Und dann steht er eines Tages vor dem Spiegel und merkt was total Absurdes. Je schlimmer er ausschaut, desto mehr schaut er aus wie Zach Galifianakis. Genauer gesagt wie Allan aus The Hangover. Ich hab beim Lesen echt schmunzeln müssen, weil ich mir das Bild sofort vorstellen konnte.

Das Internet wär nicht das Internet, wenn daraus nix entstehen würd. Leute haben ihn drauf angesprochen, Fotos wollten sie, Sprüche haben sie gemacht. Und für einen Moment hat er diese Rolle auch irgendwie angenommen, fast gefeiert. Hangover Lifestyle, Party, wenig Schlaf, viel Blödsinn. Klingt lustig, ist es aber nur kurz.

Irgendwann hat er gemerkt, dass genau das ihn kaputt macht. Körperlich, aber auch im Kopf. Also hat er den Schlussstrich gezogen, quasi in Pension gegangen von dieser Nummer. Das fand ich ehrlich gesagt stark.

Die Story hat mich nachdenklich gemacht, weil sie zeigt, wie schmal der Grat ist zwischen Selbstironie und Selbstzerstörung. Manchmal lacht man, obwohl man eigentlich Hilfe bräucht, oder zumindest a bissl Ehrlichkeit zu sich selbst.

Am Ende bin ich mit einem Lächeln ausgestiegen und hab mir gedacht, vielleicht sollte man öfter in den Spiegel schauen, aber halt wirklich hinschauen.

Das Running Man Remake hat mich mehr genervt als begeistert

Gestern am späteren Abend bin ich mit einem Freund aus dem Kino gestolpert, beide ein bissl verwirrt und irgendwie leer. Wir hatten uns The Running Man Remake angeschaut, obwohl wir schon vorher ein eher mulmiges Gefühl hatten. Eh klar, man will ja mithalten bei den neuen Releases, aber gleichzeitig fragt man sich dann schon. Muss echt alles noch einmal neu aufgelegt werden?

Schon beim Reingehen hab ich mir gedacht, dass Edgar Wright zumindest ein kleiner Trost sein könnte, weil ich seine Energie normalerweise liebe. Und ja, am Anfang war ich sogar überrascht. Die ersten 30 oder 40 Minuten haben richtig gezogen. Schneller Schnitt, gute Musik, lässige Montagen. Glen Powell, der diesmal Ben Richards spielt, ist wirklich charismatisch. Er hat das Ganze getragen, mit einer Lockerheit, die fast ansteckend war. Vielleicht wirkt er sogar fast zu perfekt, aber gut, das ist Jammern auf hohem Niveau.

Aber dann, irgendwann kippt der Film. Genau so, wie es in der Vorlage beschrieben wurde. Ein zähes Pacing, das sich anfühlt wie drei Stunden, obwohl es weniger sind. Die politischen Messages sind mir irgendwann wirklich auf die Nerven gegangen. Nicht, weil ich mich nicht mit dem Thema auseinandersetzen mag, sondern weil es einfach so platt daherkommt. Kapitalismuskritik, die man schon tausendmal gesehen hat, aber diesmal mit dem Holzhammer. Gleichzeitig spürt man, wie viel Product Placement reingedrückt wurde und ich hab mir gedacht, das widerspricht sich doch eh alles selbst. Da sitzt du im Kino und fragst dich, ob das irgendwer ernst meint.

Mein Freund hat mir nachher beim Heimgehen nur zugeflüstert, das wir uns sparen hätten können. Und ich hab ihm zugestimmt. Nicht weil der Film komplett schlecht war, sondern weil er einfach unnötig wirkt. Ein weiteres Remake, das keiner wirklich gebraucht hat. Also ja, meine 2 Cent zu diesem weiteren Hollywood Durschnittsschinken.

Mein enttäuschter Blick auf Stefan Raabs gescheitertes Comeback

Wieder einer dieser Momente, wo man merkt, dass etwas vorbei ist. Nicht, weil man es will, sondern weil die Zeit einfach weitergegangen ist. Genau so fühlte es sich an, als ich Stefan Raabs Comeback gesehen hab.

Ich war einer von denen, die ihn damals gefeiert haben. Er war eine LEGEND. TV Total, Schlag den Raab, ESC. Das war Kult, frech, kreativ. Raab war der Typ, der das Fernsehen neu erfunden hat. Und dann kam dieser Moment, als er zurückkehrte, und plötzlich war alles, wie beschreib ich es am besten? Irgendwie, naja, leer. Die gleiche Show, der gleiche Witz, aber ohne Seele.

Klengan hat das in seinem Video perfekt zusammengefasst. Raab hat nicht nur die junge Zielgruppe verfehlt, sondern eigentlich alle. Es wirkt, als hätte er versucht, 2005 in 2025 zu retten, und dabei vergessen, dass das Publikum längst woanders ist. Auf YouTube, auf TikTok, überall, nur nicht vor dem Fernseher.

Was mich besonders getroffen hat, war, dass er selbst nicht gemerkt hat, wie sehr er den Anschluss verloren hat. Diese Apache-Parodie war der Tiefpunkt. Früher hätte Raab solche Künstler eingeladen, nicht verspottet. Heute wirkt er wie jemand, der sein Spiegelbild nicht mehr erkennt.

Vielleicht ist das die bittere Wahrheit über Comebacks: Man kann die Vergangenheit nicht wiederbeleben, ohne in der Gegenwart verloren zu gehen. Ich frag mich nur, ob Raab das irgendwann selbst erkennt.